Welche Symptome gibt es?
Der Verlauf der Parkinson-Krankheit ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Daher können die auftretenden Symptome variieren und sich individuell verschieden stark bemerkbar machen. Die Beschwerden werden unterteilt in motorische und nicht-motorische Symptome, von denen die wichtigsten im Folgenden aufgeführt sind.
Wearing-off (Die Medikamentenwirkung lässt vorzeitig nach)
Die meisten Patienten bekommen in der Anfangsphase der Parkinson-Krankheit einen Dopaminagonisten oder Levodopa verordnet. Mit dieser medikamentösen Therapie werden die Symptome für eine gewisse Zeit spürbar gebessert und sind im Tagesverlauf kaum noch zu bemerken (Honeymoon-Phase).
Leider ist es ein Kennzeichen der Krankheit, dass sie nicht zum Stillstand kommt, sondern weiter voranschreitet. So werden Sie irgendwann feststellen oder haben schon bemerkt, dass im Tagesverlauf Symptome wieder auftreten oder stärker ausgeprägt sind, noch bevor Sie die reguläre nächste Medikamenten-Dosis einnehmen und diese überhaupt wirken kann. Gewöhnlich bessern sich diese Symptome nach Einnahme der nächsten Medikamentendosis dann wieder. Dieses Phänomen der vorzeitig nachlassenden Medikamenten-Wirkung und üblicherweise Besserung der Symptome nach Einnahme der nächsten Medikamentendosis nennt man im medizinischen Sprachgebrauch Wearing-off (siehe Abbildung).

Wearing-off-Symptome, die vorzugsweise unter einer Levodopa-Therapie beobachtet werden, können sich von Patient zu Patient ganz unterschiedlich zeigen. So können sowohl Bewegungsverlangsamung und Zittern (Tremor) ebenso Zeichen des Wearing-off sein wie zunehmende Steifheit der Muskulatur oder eine verminderte Geschicklichkeit. Es können jedoch auch nicht-motorische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Angstgefühle oder Schmerzen im Rahmen des Wearing-off auftreten.
Selbst für den Arzt ist es oft nicht ganz leicht, die mitunter diskreten Wearing-off-Symptome frühzeitig zu diagnostizieren und richtig einzuordnen. Wenn Sie daher das Gefühl haben, dass Ihre Medikamente nicht mehr so gut und so lange wirken oder dass eventuell neuartige Symptome auftreten, sollten Sie dies auf jeden Fall mit Ihrem Arzt besprechen. Er wird überprüfen, ob die Medikamente, die Sie einnehmen, noch richtig für Sie sind und eventuell eine Umstellung Ihrer Medikation vornehmen.
Sie können Ihren Arzt unterstützen, indem Sie beispielsweise einen von Parkinson-Spezialisten entwickelten Wearing-off-Fragebogen (WOQ-9) ausfüllen. Diesen erhalten Sie bei Ihrem Neurologen, auf der Internetseite www.wearingoff.de oder über diese Internetseite unter der Rubrik Service.
Um Wearing-off-Symptome zu verhindern, könnte man beispielsweise Levodopa in immer kürzeren Zeitabständen einnehmen oder auf Levodopa retard (eine Darreichungsform, aus der Levodopa über einen längeren Zeitraum als bei herkömmlichen Levodopa-Präparaten in das Blut abgegeben wird) ausweichen. Diese Vorgehensweisen haben sich bei vielen Patienten aber als unzureichend erwiesen. Auch die zusätzliche Gabe eines MAO-B-Hemmers zeigt bei vielen Patienten langfristig nicht den gewünschten Erfolg.
Ziel der modernen Levodopa-Therapie ist eine möglichst konstante Versorgung des Gehirns mit Levodopa, damit das Gehirn ausreichend Dopamin bilden kann.
Die Dopaminagonisten, die ebenfalls zur Behandlung von Wearing-off-Symptomen eingesetzt werden, zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Wirkung von Dopamin über einen längeren Zeitraum imitieren. Allerdings sind Dopaminagonisten mit einer Reihe von Nebenwirkungen - zu beachten vor allem bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Begleiterkrankungen - verbunden.
Einen weiteren Therapieansatz stellt das pharmakokinetisch optimierte Levodopa dar, bei dem die drei Wirkstoffe Levodopa, Carbidopa und Entacapon in einer Tablette zusammengefasst wurden. Durch den COMT-Hemmer Entacapon wird zusätzlich der zweitwichtigste Abbauweg von Levodopa außerhalb des Gehirns blockiert. Levodopa verbleibt so länger und in größerer Menge im Blut. Es konnte gezeigt werden, dass sich mit diesen drei Wirkstoffen Wearing-off-Symptome erfolgreich behandeln lassen.
Dyskinesien / Dystonien (Überbewegungen)
Mit zunehmender Krankheits- und Behandlungsdauer können auch abnorme, unwillkürliche Bewegungen (Überbewegungen) auftreten, die häufig mit der Medikamenteneinnahme korrelieren. Beispielsweise sind so genannte Peak-dose-Dyskinesien dann am stärksten ausgeprägt, wenn die Levodopa-Konzentration im Blut am höchsten ist. Überbewegungen treten ebenso, wenn auch seltener, unter der Behandlung mit Dopaminagonisten auf. Nach ihrem Erscheinungsbild werden die Überbewegungen in Dyskinesien und Dystonien unterteilt.
Dyskinesien: In der Regel treten diese Überbewegungen in der Phase guter Beweglichkeit auf, sodass die Betroffenen diese Überwegungen eher akzeptieren als deren Angehörige, die dann womöglich das gemeinsame Auftreten in der Öffentlichkeit scheuen. Häufig wird eine Bewegungsunruhe im Gesichts- und Schulter-Nackenbereich beobachtet. Dyskinesien ereignen sich meist, wenn die höchste Levodopa-Konzentration im Blut erreicht ist, also 1 bis 1,5 Stunden nach der Medikamenteneinnahme (Peak-dose-Dyskinesie). So genannte Plateau-Dyskinesien können die überwiegende Zeit der guten Bewegungsphase prägen.
Überbewegungen können jedoch auch in der An- und Abflutphase des Wirkstoffs als biphasische Dyskinesien auftreten, werden also jeweils eingeleitet und abgelöst von schlechten Bewegungsphasen. Biphasische Dyskinesien, die eher durch zähflüssige, teilweise schmerzhafte Bewegungen charakterisiert sind, sind seltener als Peak-dose-Dyskinesien. Sie finden sich vor allem in weit fortgeschrittenen Parkinson-Stadien.
Dystonien: Sie sind durch langsame und zähflüssige, teilweise drehende Bewegungen gekennzeichnet. Bei anhaltender Muskelanspannung kann daraus vorübergehend eine Fehlstellung der Arme, Beine oder des Rumpfes resultieren.
Besonders in den frühen Morgenstunden können nach dem Erwachen und vor der ersten Medikamenteneinnahme schmerzhafte Muskelverkrampfungen in den Füßen bzw. Zehen auftreten (Off-Dystonie).
On-Off-Phänomen (Plötzliche Schwankungen der Beweglichkeit)
Bei manchen Patienten kommt es nach mehreren Jahren auch zu plötzlich einsetzenden und zeitlich nicht mehr vorhersehbaren Schwankungen der Beweglichkeit. Bei den Betroffenen wirken einzelne Medikamentendosen entweder überhaupt nicht oder ihre Wirkung setzt völlig unregelmäßig ein. Diese Erscheinung nennt man On-off-Phänomen.
Der Zustand, in dem die Patienten beweglich sind, häufig auch überbeweglich, wird On-Phase (englisch: an) genannt, der Zustand schlechter Beweglichkeit Off-Phase (englisch: aus). Diese Off-Phasen können Sekunden bis Minuten anhalten. Sie gehen meist mit schweren Parkinson-Symptomen einher. Die Ursache des On-off-Phänomens ist ungeklärt. Vermutlich spielen eine unzureichende Medikamentenaufnahme aus dem Darm, aber auch Veränderungen an den Nervenzellen im Gehirn eine Rolle. Typischerweise tritt das On-off-Phänomen erst im späten Krankheitsverlauf auf.
Freezing (Bewegungserstarrung)
Teilweise kommt es im Krankheitsverlauf (selten bereits zu Beginn der Erkrankung) zu plötzlichen, unvorhersehbaren Blockierungen der Bewegung. Die Patienten "kleben" mit ihren Füßen am Boden fest. Dieses Phänomen, Freezing (englisch: einfrieren) genannt, tritt seltener auf gerader freier Strecke auf, sondern eher, wenn sich der Raum verengt, z.B. beim Durchschreiten einer Tür, oder auch beim Starten einer Bewegung. "Tricks" wie z.B. ein Anti-Freezing-Stock sind oftmals schon hilfreich.
Sonderfall Akinetische Krise
Die Akinetische Krise ist eine unter Umständen lebensbedrohliche Komplikation. Auslöser für eine solche Krise sind meistens andere Erkrankungen wie z. B. ein schwerer fieberhafter Infekt. Auch die akute Unterbrechung der Einnahme der Parkinson-Medikamente kann zu einer solchen Krise führen.
Bezeichnend für die Akinetische Krise ist, dass der Betroffene aus einer guten Beweglichkeit unter dopaminerger Therapie heraus in kürzester Zeit fast völlig bewegungsunfähig wird. Er hat einen verstärkten Rigor, kann nicht sprechen und schlucken. Durch die Schluckstörung kommt es zu ungenügender Flüssigkeitsaufnahme und die Medikamenteneinnahme ist nicht mehr möglich, was die Situation weiter verschlechtert.
Vegetative Symptome
Neben Bewegungsstörungen kommt es mit fortschreitender Erkrankung zunehmend zu Störungen im Bereich des vegetativen Nervensystems.
Das vegetative Nervensystem überwacht und steuert unter anderem Herz und Kreislauf, Verdauung, Wärmehaushalt oder auch den Schlaf. Beim Gesunden laufen diese Funktionen mehr oder weniger automatisch ab. Ins Bewusstsein gelangen sie meist erst dann, wenn sie gestört sind.
Insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit funktioniert das vegetative Nervensystem bei vielen Patienten nicht mehr ordnungsgemäß. Hierfür mitverantwortlich ist vermutlich auch der Dopaminmangel. Die dadurch hervorgerufenen körperlichen Störungen können sich in unterschiedlichen Beschwerden äußern, je nachdem, welches Organ oder welche Organe betroffen sind. Beobachtet werden:
Teilweise können vegetative Symptome schon dadurch gebessert werden, indem die Parkinson-Medikamente überprüft und angepasst werden. Spezielle Medikamente und weitere Maßnahmen wie zum Beispiel eine bewusste Ernährung tragen ebenfalls zur
Minderung der Beschwerden bei.
Depressionen und Ängste
Zu den nicht-motorischen Beschwerden zählt auch eine Reihe von psychischen Veränderungen. Diese treten teilweise im Zusammenwirken mit motorischen Symptomen auf. So berichten zum Beispiel viele Patienten von Angstgefühlen bei Auftreten von Wearing-off. Auch besteht nicht selten bei Patienten mit Schwankungen der Beweglichkeit ein direkter Zusammenhang mit der Stimmungslage. Phasen schlechter Beweglichkeit führen dann häufig zu Stimmungstiefs. Grundsätzlich wichtig zu unterscheiden ist, ob die nicht-motorischen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Off, also einer verschlechterten Beweglichkeit, oder unabhängig davon auftreten.
Depressionen und Ängste begleiten oft die Parkinson-Krankheit. Depressionen finden sich häufiger in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, obwohl sie auch schon zu Beginn der Erkrankung auftreten können. Typisch für eine Depression ist ein über Wochen anhaltendes Gefühl von Trauer und Niedergeschlagenheit. Depressionen bessern sich möglicherweise schon in Zusammenhang mit einer passenden Parkinson-Medikation. Sie können bei Bedarf auch durch entsprechende Medikamente, so genannte Antidepressiva, gut behandelt werden.
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
Bei der Parkinson-Krankheit kann es zu Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit kommen, leichte Konzentrationsstörungen und eine Verlangsamung der Denkvorgänge werden häufiger beobachtet. Bei weit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit kommt es teilweise auch zu ausgeprägten Gedächtnisstörungen. Depressive Phasen begünstigen das Auftreten von Gedächtnisstörungen, zum Teil sind sie auch altersbedingt. Grundsätzlich sinnvoll sind Maßnahmen wie Gedächtnistraining, möglicherweise helfen auch Medikamente.
Lebhafte Träume bis hin zu Halluzinationen
Ein erhöhtes Risiko für Trugbilder (Halluzinationen) kündigt sich häufig dadurch an, dass vom Patienten über lebhafte Träume, teilweise sogar Albträume berichtet wird. Oft steht diese Störung in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten, womöglich sogar jenen gegen die Parkinson-Symptome. Es ist aber auch möglich, dass ein Zusammenhang mit einer zusätzlichen Erkrankung besteht. Ihr Arzt wird deshalb auch immer eine gründliche allgemeine Untersuchung durchführen, um nach einer solchen Zweiterkrankung zu fahnden.
Wenn bei dieser Suche keine andere Erkrankung oder sonstige Ursache entdeckt wird, müssen alle von Ihnen eingenommenen Medikamente überprüft werden. Eventuell ist der Einsatz von Schutzmedikamenten, so genannten atypischen Neuroleptika, zur Verhinderung von Trugbildern erforderlich.
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Der Verlauf der Parkinson-Krankheit ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Daher können die auftretenden Symptome variieren und sich individuell verschieden stark bemerkbar machen. Die Beschwerden werden unterteilt in motorische und nicht-motorische Symptome, von denen die wichtigsten im Folgenden aufgeführt sind.
Wearing-off (Die Medikamentenwirkung lässt vorzeitig nach)
Die meisten Patienten bekommen in der Anfangsphase der Parkinson-Krankheit einen Dopaminagonisten oder Levodopa verordnet. Mit dieser medikamentösen Therapie werden die Symptome für eine gewisse Zeit spürbar gebessert und sind im Tagesverlauf kaum noch zu bemerken (Honeymoon-Phase).
Leider ist es ein Kennzeichen der Krankheit, dass sie nicht zum Stillstand kommt, sondern weiter voranschreitet. So werden Sie irgendwann feststellen oder haben schon bemerkt, dass im Tagesverlauf Symptome wieder auftreten oder stärker ausgeprägt sind, noch bevor Sie die reguläre nächste Medikamenten-Dosis einnehmen und diese überhaupt wirken kann. Gewöhnlich bessern sich diese Symptome nach Einnahme der nächsten Medikamentendosis dann wieder. Dieses Phänomen der vorzeitig nachlassenden Medikamenten-Wirkung und üblicherweise Besserung der Symptome nach Einnahme der nächsten Medikamentendosis nennt man im medizinischen Sprachgebrauch Wearing-off (siehe Abbildung).

Wearing-off-Symptome, die vorzugsweise unter einer Levodopa-Therapie beobachtet werden, können sich von Patient zu Patient ganz unterschiedlich zeigen. So können sowohl Bewegungsverlangsamung und Zittern (Tremor) ebenso Zeichen des Wearing-off sein wie zunehmende Steifheit der Muskulatur oder eine verminderte Geschicklichkeit. Es können jedoch auch nicht-motorische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Angstgefühle oder Schmerzen im Rahmen des Wearing-off auftreten.
Selbst für den Arzt ist es oft nicht ganz leicht, die mitunter diskreten Wearing-off-Symptome frühzeitig zu diagnostizieren und richtig einzuordnen. Wenn Sie daher das Gefühl haben, dass Ihre Medikamente nicht mehr so gut und so lange wirken oder dass eventuell neuartige Symptome auftreten, sollten Sie dies auf jeden Fall mit Ihrem Arzt besprechen. Er wird überprüfen, ob die Medikamente, die Sie einnehmen, noch richtig für Sie sind und eventuell eine Umstellung Ihrer Medikation vornehmen.
Sie können Ihren Arzt unterstützen, indem Sie beispielsweise einen von Parkinson-Spezialisten entwickelten Wearing-off-Fragebogen (WOQ-9) ausfüllen. Diesen erhalten Sie bei Ihrem Neurologen, auf der Internetseite www.wearingoff.de oder über diese Internetseite unter der Rubrik Service.
Um Wearing-off-Symptome zu verhindern, könnte man beispielsweise Levodopa in immer kürzeren Zeitabständen einnehmen oder auf Levodopa retard (eine Darreichungsform, aus der Levodopa über einen längeren Zeitraum als bei herkömmlichen Levodopa-Präparaten in das Blut abgegeben wird) ausweichen. Diese Vorgehensweisen haben sich bei vielen Patienten aber als unzureichend erwiesen. Auch die zusätzliche Gabe eines MAO-B-Hemmers zeigt bei vielen Patienten langfristig nicht den gewünschten Erfolg.
Ziel der modernen Levodopa-Therapie ist eine möglichst konstante Versorgung des Gehirns mit Levodopa, damit das Gehirn ausreichend Dopamin bilden kann.
Die Dopaminagonisten, die ebenfalls zur Behandlung von Wearing-off-Symptomen eingesetzt werden, zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Wirkung von Dopamin über einen längeren Zeitraum imitieren. Allerdings sind Dopaminagonisten mit einer Reihe von Nebenwirkungen - zu beachten vor allem bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Begleiterkrankungen - verbunden.
Einen weiteren Therapieansatz stellt das pharmakokinetisch optimierte Levodopa dar, bei dem die drei Wirkstoffe Levodopa, Carbidopa und Entacapon in einer Tablette zusammengefasst wurden. Durch den COMT-Hemmer Entacapon wird zusätzlich der zweitwichtigste Abbauweg von Levodopa außerhalb des Gehirns blockiert. Levodopa verbleibt so länger und in größerer Menge im Blut. Es konnte gezeigt werden, dass sich mit diesen drei Wirkstoffen Wearing-off-Symptome erfolgreich behandeln lassen.
Dyskinesien / Dystonien (Überbewegungen)
Mit zunehmender Krankheits- und Behandlungsdauer können auch abnorme, unwillkürliche Bewegungen (Überbewegungen) auftreten, die häufig mit der Medikamenteneinnahme korrelieren. Beispielsweise sind so genannte Peak-dose-Dyskinesien dann am stärksten ausgeprägt, wenn die Levodopa-Konzentration im Blut am höchsten ist. Überbewegungen treten ebenso, wenn auch seltener, unter der Behandlung mit Dopaminagonisten auf. Nach ihrem Erscheinungsbild werden die Überbewegungen in Dyskinesien und Dystonien unterteilt.
Dyskinesien: In der Regel treten diese Überbewegungen in der Phase guter Beweglichkeit auf, sodass die Betroffenen diese Überwegungen eher akzeptieren als deren Angehörige, die dann womöglich das gemeinsame Auftreten in der Öffentlichkeit scheuen. Häufig wird eine Bewegungsunruhe im Gesichts- und Schulter-Nackenbereich beobachtet. Dyskinesien ereignen sich meist, wenn die höchste Levodopa-Konzentration im Blut erreicht ist, also 1 bis 1,5 Stunden nach der Medikamenteneinnahme (Peak-dose-Dyskinesie). So genannte Plateau-Dyskinesien können die überwiegende Zeit der guten Bewegungsphase prägen.
Überbewegungen können jedoch auch in der An- und Abflutphase des Wirkstoffs als biphasische Dyskinesien auftreten, werden also jeweils eingeleitet und abgelöst von schlechten Bewegungsphasen. Biphasische Dyskinesien, die eher durch zähflüssige, teilweise schmerzhafte Bewegungen charakterisiert sind, sind seltener als Peak-dose-Dyskinesien. Sie finden sich vor allem in weit fortgeschrittenen Parkinson-Stadien.
Dystonien: Sie sind durch langsame und zähflüssige, teilweise drehende Bewegungen gekennzeichnet. Bei anhaltender Muskelanspannung kann daraus vorübergehend eine Fehlstellung der Arme, Beine oder des Rumpfes resultieren.
Besonders in den frühen Morgenstunden können nach dem Erwachen und vor der ersten Medikamenteneinnahme schmerzhafte Muskelverkrampfungen in den Füßen bzw. Zehen auftreten (Off-Dystonie).
On-Off-Phänomen (Plötzliche Schwankungen der Beweglichkeit)
Bei manchen Patienten kommt es nach mehreren Jahren auch zu plötzlich einsetzenden und zeitlich nicht mehr vorhersehbaren Schwankungen der Beweglichkeit. Bei den Betroffenen wirken einzelne Medikamentendosen entweder überhaupt nicht oder ihre Wirkung setzt völlig unregelmäßig ein. Diese Erscheinung nennt man On-off-Phänomen.
Der Zustand, in dem die Patienten beweglich sind, häufig auch überbeweglich, wird On-Phase (englisch: an) genannt, der Zustand schlechter Beweglichkeit Off-Phase (englisch: aus). Diese Off-Phasen können Sekunden bis Minuten anhalten. Sie gehen meist mit schweren Parkinson-Symptomen einher. Die Ursache des On-off-Phänomens ist ungeklärt. Vermutlich spielen eine unzureichende Medikamentenaufnahme aus dem Darm, aber auch Veränderungen an den Nervenzellen im Gehirn eine Rolle. Typischerweise tritt das On-off-Phänomen erst im späten Krankheitsverlauf auf.
Freezing (Bewegungserstarrung)
Teilweise kommt es im Krankheitsverlauf (selten bereits zu Beginn der Erkrankung) zu plötzlichen, unvorhersehbaren Blockierungen der Bewegung. Die Patienten "kleben" mit ihren Füßen am Boden fest. Dieses Phänomen, Freezing (englisch: einfrieren) genannt, tritt seltener auf gerader freier Strecke auf, sondern eher, wenn sich der Raum verengt, z.B. beim Durchschreiten einer Tür, oder auch beim Starten einer Bewegung. "Tricks" wie z.B. ein Anti-Freezing-Stock sind oftmals schon hilfreich.
Sonderfall Akinetische Krise
Die Akinetische Krise ist eine unter Umständen lebensbedrohliche Komplikation. Auslöser für eine solche Krise sind meistens andere Erkrankungen wie z. B. ein schwerer fieberhafter Infekt. Auch die akute Unterbrechung der Einnahme der Parkinson-Medikamente kann zu einer solchen Krise führen.
Bezeichnend für die Akinetische Krise ist, dass der Betroffene aus einer guten Beweglichkeit unter dopaminerger Therapie heraus in kürzester Zeit fast völlig bewegungsunfähig wird. Er hat einen verstärkten Rigor, kann nicht sprechen und schlucken. Durch die Schluckstörung kommt es zu ungenügender Flüssigkeitsaufnahme und die Medikamenteneinnahme ist nicht mehr möglich, was die Situation weiter verschlechtert.
Vegetative Symptome
Neben Bewegungsstörungen kommt es mit fortschreitender Erkrankung zunehmend zu Störungen im Bereich des vegetativen Nervensystems.
Das vegetative Nervensystem überwacht und steuert unter anderem Herz und Kreislauf, Verdauung, Wärmehaushalt oder auch den Schlaf. Beim Gesunden laufen diese Funktionen mehr oder weniger automatisch ab. Ins Bewusstsein gelangen sie meist erst dann, wenn sie gestört sind.
Insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit funktioniert das vegetative Nervensystem bei vielen Patienten nicht mehr ordnungsgemäß. Hierfür mitverantwortlich ist vermutlich auch der Dopaminmangel. Die dadurch hervorgerufenen körperlichen Störungen können sich in unterschiedlichen Beschwerden äußern, je nachdem, welches Organ oder welche Organe betroffen sind. Beobachtet werden:
Störungen der Blasenfunktion mit plötzlich auftretendem Harndrang
Störungen des Kreislaufs mit häufig zu niedrigem Blutdruck
Störungen des Verdauungstraktes mit beeinträchtigter Magenentleerung, Darmträgheit und Verstopfung
Störungen der Wärmeregulation mit vermehrtem Schwitzen und Wärmeunverträglichkeit
Schlafstörungen
Nachlassen der Sexualfunktion
Depressionen und Ängste
Zu den nicht-motorischen Beschwerden zählt auch eine Reihe von psychischen Veränderungen. Diese treten teilweise im Zusammenwirken mit motorischen Symptomen auf. So berichten zum Beispiel viele Patienten von Angstgefühlen bei Auftreten von Wearing-off. Auch besteht nicht selten bei Patienten mit Schwankungen der Beweglichkeit ein direkter Zusammenhang mit der Stimmungslage. Phasen schlechter Beweglichkeit führen dann häufig zu Stimmungstiefs. Grundsätzlich wichtig zu unterscheiden ist, ob die nicht-motorischen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Off, also einer verschlechterten Beweglichkeit, oder unabhängig davon auftreten.
Depressionen und Ängste begleiten oft die Parkinson-Krankheit. Depressionen finden sich häufiger in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, obwohl sie auch schon zu Beginn der Erkrankung auftreten können. Typisch für eine Depression ist ein über Wochen anhaltendes Gefühl von Trauer und Niedergeschlagenheit. Depressionen bessern sich möglicherweise schon in Zusammenhang mit einer passenden Parkinson-Medikation. Sie können bei Bedarf auch durch entsprechende Medikamente, so genannte Antidepressiva, gut behandelt werden.
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
Bei der Parkinson-Krankheit kann es zu Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit kommen, leichte Konzentrationsstörungen und eine Verlangsamung der Denkvorgänge werden häufiger beobachtet. Bei weit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit kommt es teilweise auch zu ausgeprägten Gedächtnisstörungen. Depressive Phasen begünstigen das Auftreten von Gedächtnisstörungen, zum Teil sind sie auch altersbedingt. Grundsätzlich sinnvoll sind Maßnahmen wie Gedächtnistraining, möglicherweise helfen auch Medikamente.
Lebhafte Träume bis hin zu Halluzinationen
Ein erhöhtes Risiko für Trugbilder (Halluzinationen) kündigt sich häufig dadurch an, dass vom Patienten über lebhafte Träume, teilweise sogar Albträume berichtet wird. Oft steht diese Störung in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten, womöglich sogar jenen gegen die Parkinson-Symptome. Es ist aber auch möglich, dass ein Zusammenhang mit einer zusätzlichen Erkrankung besteht. Ihr Arzt wird deshalb auch immer eine gründliche allgemeine Untersuchung durchführen, um nach einer solchen Zweiterkrankung zu fahnden.
Wenn bei dieser Suche keine andere Erkrankung oder sonstige Ursache entdeckt wird, müssen alle von Ihnen eingenommenen Medikamente überprüft werden. Eventuell ist der Einsatz von Schutzmedikamenten, so genannten atypischen Neuroleptika, zur Verhinderung von Trugbildern erforderlich.

